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Einführung: Wie KMU einen Beitrag zum SDG 13 leisten können

Der Klimawandel fordert Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit gleichermassen heraus. Die Wissenschaft belegt, dass wir an die Grenzen der Natur stossen und alle Akteure handeln müssen: vom Staat bis zur Einzelperson, vom Grossunternehmen bis zum KMU.

Auf internationaler und nationaler Ebene haben sich Staaten verpflichtet, Massnahmen zum Klimaschutz in die nationale Politik, Strategie und Planung zu integrieren. Gemäss dem Beschluss der UN-Mitgliedstaaten an der 21. Klimakonferenz in Paris 2015 soll die Klimaerwärmung unter 2 Grad gehalten werden.

Die Ziele der Schweiz

Auch die Schweiz hat sich für die nächsten 30 Jahre ambitionierte Ziele gesetzt und möchte die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung innerhalb der Agenda 2030 bis zum Ende dieser Dekade umsetzen. SDG 13 sieht dabei vor, «umgehend Massnahmen [zu] ergreifen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen». Konsequenterweise hat der Bundesrat Ende August 2019 entschieden, die CO2-Emissionen bis 2050 auf null zu senken. Einige Städte wollen das «Netto-Null-Ziel» sogar bis 2030 erreichen.

Zusätzlich beinhaltet die Energiestrategie 2050 einen sukzessiven Umbau des Schweizer Energiesystems. Hierzu gehören die Steigerung der Energieeffizienz der Schweiz, die Anpassung des Elektrizitäts- und des Stromversorgungsnetzes, ein höherer Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix sowie der Ausstieg aus der Kernenergie.

Herausforderungen und Chancen

Die Umsetzung der oben genannten Ziele und Massnahmen birgt Herausforderungen aber auch Perspektiven für die Privatwirtschaft. Experten gehen davon aus, dass die Erreichung der SDGs weltweit neue Marktchancen sowie Hunderte von Millionen neue Arbeitsplätze eröffnen wird. Zu den vielversprechendsten Hoffnungsträgern zählt dabei der Energiesektor.

Um heute zu handeln und diese Chancen umzusetzen, brauchen wir innovative Lösungen, wirtschaftliche Anreize, geeignete Rahmenbedingung und vorbildliche Praxisbeispiele. Und der Zeitpunkt, zu handeln, ist jetzt. Diese Meinung teilt auch Jacqueline Jakob, Geschäftsführerin der Energie Agentur der Wirtschaft (EnAW): «Je früher KMU sich mit dem Thema Energie auseinandersetzen, desto besser. Denn Unternehmen, die nach einer stabilen Zukunft streben und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern wollen, tun gut daran, dieses Thema in den Fokus ihrer Aktivitäten zu rücken ».

Die wichtigsten Faktoren für den Klimaschutz

Auch die Schweiz ist von dem sich ändernden Klima betroffen. Die Hitze im Sommer nimmt zu, und Niederschläge haben im 20. Jahrhundert bis zu 30 Prozent zugenommen, je nach Region. Sogenannte «Extremereignisse» werden durch das Auftauen des Permafrostes, Gletscherschwund und Hochwasser ausgelöst und verstärkt. So können zum Beispiel kräftigere Niederschläge in den Alpenregionen zu mehr Hochwasser und Felsstürzen führen. Auch die Biodiversität ist gefährdet: Temperaturveränderungen haben einen grossen Einfluss auf das Schweizer Ökosystem, denn sie fördern die Verbreitung von Schädlingen und Krankheitserregern.

Zu den wichtigsten Verursachern von Treibhausgasemissionen zählen seitens der Industrie die Produktion, der Güterverkehr, Energiebezugsflächen, der Rindviehbestand sowie die Bau- und Zementindustrie. Auf der privaten Seite sind es Wohnflächen und Personenverkehr. Der CO2-Fussabdruck der Schweiz liegt mit einem Verbrauch von circa 14 Tonnen CO2 pro Kopf weit über dem globalen Durchschnitt. Laut BAFU entfallen 32 Prozent der Emissionen auf den Verkehr (ohne internationalen Luft- und Schiffsverkehr), 24 Prozent auf Gebäude, weitere 24 Prozent auf die Industrie sowie 19 Prozent auf die Landwirtschaft, Abfallbehandlung und synthetische Gase.1

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Das Potenzial der KMU im Bereich Klima und Energie

Gerade KMU mit Industrie- und Gebäudeemissionen bietet sich hier ein enormes Potenzial, durch Sanierungen und Energieeffizienzmassnahmen den eigenen ökologischen Fussabdruck zu verringern und die Energiekosten zu senken. Aber was bedeutet Energieeffizienz genau? Gemäss EnAW beschreibt dieser Begriff «das Mass, mit welchem der Energieverbrauch wachstumsunabhängig verglichen werden kann». Von 2013 bis 2019 erzielten EnAW- Teilnehmer bei Strom und Wärme Einsparungen in einer Grössenordnung von 3’578’159 Megawattstunden. Ausserdem konnten die teilnehmenden Unternehmen allein im Jahr 2019 den CO2-Ausstoss um 76’796 Tonnen verringern. Finanziell betrachtet haben die etwas mehr als 4000 Teilnehmer dadurch rund 344 Millionen Franken gespart und ungefähr 340 Millionen Franken an Abgaben zurückerhalten.

Wie ist das diesen Unternehmen gelungen? Mit einfachen, aber konsequent umgesetzten Massnahmen. Zur häufigsten umgesetzten Massnahme zählt die Umrüstung auf LED-Technik. Auch in den Bereichen Heizung, Lüftung sowie Prozesswärme waren die Teilnehmer erfolgreich und konnten mit ihren Aktivitäten deutliche Einsparungen erzielen.

Obwohl es am einfachsten ist, bei der Beleuchtung anzusetzen, erweist sich der Bereich Prozesswärme am Ende als der effektivste, wie auch EnAW-Geschäftsführerin Jacqueline Jakob bestätigt. «Bei der Prozesswärme findet sich noch das grösste Potenzial. Dieser Sektor beansprucht rund 70 Prozent der Brennstoffe in der Industrie. Hier muss man Prozesse anschauen und diese zukunftsfähig gestalten.» Das erfordere Mut, lohne sich aber, betont Frau Jakob. Denn es gehe dabei nicht nur um einen kleineren Fussabdruck und finanzielle Aspekte. Mindestens ebenso wichtig sind für die KMU gemäss Beobachtungen des EnAW ein positiveres Arbeitsklima, Produktverbesserungen sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Ansporn für alle

Business Sustainability Today hat zusammen mit UBS und nachhaltigleben.ch die «Aktion zukunftsfähige Schweiz» ins Leben gerufen. Die Aktion zielt darauf ab, Unternehmen mit inspirierenden Lösungsansätzen zur Umsetzung der SDGs zu motivieren. Ganz im Sinne des SDG 17 «Partnerschaften zur Erreichung der Ziele» positioniert sich Business Sustainability Today als Hub. So werden zum Beispiel auch nachhaltige und innovative Geschäftsmodelle des Umweltpreis der Wirtschaft und von Solar Impulse (1000 Solutions) vorgestellt.

Informationen zu neuesten Entwicklungen in der Forschung erhält man auf den Webportalen der Nationalen Forschungsprogramme «Energiewende» (NFP 70), «Steuerung des Energieverbrauchs» (NFP 71) und «Nachhaltige Wirtschaft» (NFP 73). Doch um die SDGs und das «Netto-Null-Ziel» der Schweiz zu erreichen, ist jede und jeder Einzelne gefordert. Entsprechend finden Privatpersonen auf nachhaltigleben.ch Anregungen zum Thema Energieeffizienz im häuslichen Umfeld, denn «Klimaneutralität bis 2050 ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung», betont Frau Jakob. «Deshalb gilt es, alle Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.»

1 Link: Bundesamt für Umwelt BAFU