SINGA nutzt Diversität um Innovation zu fördern

UND LÄSST SO MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND IHR POTENZIAL AUSSCHÖPFEN

Die SINGA Factory unterstützt Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, die ein Unternehmen in der Schweiz gründen möchten bei ihrem Vorhaben. Seraina Soldner, Mitgründerin und Co-Direktorin, erklärt im Video, was ihre Motivation dazu ist und wie sie dabei vorgehen.

SINGA nutzt Diversität um Innovation zu fördern

Zu SINGA

Welche gesellschaftlichen Herausforderungen adressiert SINGA?

Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund haben es oftmals schwer, eine Anstellung in der Schweiz zu finden. Dies, auch wenn sie viel an Erfahrung und Fähigkeiten mitbringen. Gründe dafür sind neben dem rechtlichen Status oftmals auch die Nichtanerkennung von ausländischen Diplomen, Sprachbarrieren oder mangelnde Vernetzungsmöglichkeiten. Insbesondere soziales Kapital ist vielerorts entscheidend, um eine Anstellung zu finden.

Um einer Beschäftigung, die den persönlichen Kernkompetenzen und Erfahrungen gerecht wird, nachgehen zu können, stellt für viele der Schritt in die Selbstständigkeit die beste Option dar. Die Gründung eines Unternehmens ist jedoch nicht ganz einfach. Es gibt etliche Hürden zu überwinden.

Um dies zu meistern, begleitet die SINGA Factory motivierte Menschen bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen.

Die Teilnehmenden, auch SINGApreneurs genannt, verfolgen Geschäftsideen in unterschiedlichsten Bereichen wie Tourismus, Logistik, Gastronomie, Sport oder Tech. Ein Beispiel ist Elie Khudari, der mit seiner Geschäftsidee Seeveez eine revolutionäre und menschliche online Plattform entwickelt. Mit Hilfe neuester KI- Technologie und modernsten Algorithmen verbindet diese Arbeitssuchende mit ArbeitgeberInnen.

Welcher Lösungsansatz wurde gewählt?

Im Juni 2018 ging das Start-up-Programm SINGA Factory in die zweite Runde. Während sechs Monaten begleitet es die Teilnehmenden, die „SINGApreneurs“, intensiv. Dabei ist das oberste Prinzip der Factory, auf Augenhöhe mit den Teilnehmenden zusammenzuarbeiten. So kann gegenseitiges Lernen vorangetrieben werden. Dieses nimmt die Form von Coworking, Workshops oder Beratungsgesprächen, beispielsweise in den Bereichen Recht und Finanzierung, an. Die SINGApreneurs lernen verschiedene Unternehmensmodelle kennen und erhalten von den ExpertInnen individuelles Feedback zu ihren Ideen. Weiter haben sie die Möglichkeit, sich auszutauschen und lokal zu vernetzen. Die Diversität der Teilnehmenden wird dabei als innovationsförderndes Instrument eingesetzt.

Nebst der Factory organisiert SINGA wöchentlich auch ein Sprachcafé sowie ein SINGA Living Room, bei dem die UnternehmerInnen und weitere Interessenten zu sich nach Hause einladen. All dies soll den SINGApreneurs eine Möglichkeit zur Vernetzung bieten und somit helfen, ihr Unternehmen erfolgreich auf die Beine zu stellen.

Was sind die Herausforderungen für die SINGA Factory?

Die SINGA Factory ist selbst ein Start-up und kennt somit viele der Startschwierigkeiten der SINGApreneurs aus erster Hand. Entsprechend kann sie ihre eigenen Erfahrungen direkt mit den SINGApreneurs teilen, und gleichzeitig selbst von deren Herausforderungen lernen. Damit die SINGApreneurs vom Wissen und der Erfahrung von bereits länger etablierten Unternehmen und verschiedensten Bereichen profitieren, setzt die Factory MentorInnen und ExpertInnen ein, welche die SINGApreneurs auf freiwilliger Basis unterstützen. Die MentorInnen begleiten die Teilnehmenden während sechs Monaten auf persönlicher Ebene. Momentan arbeitet die Factory mit über 100 Personen zusammen.

Seraina Soldner erzählt, dass sie extrem vom Engagement dieser MentorInnen und ExpertInnen überrascht war. Darunter sind CEOs, UnternehmerInnen, aber auch Angestellte aus unterschiedlichsten Bereichen. Viele von ihnen arbeiten bei grossen Firmen wie PricewaterhouseCoopers oder Google und scheinen den Kontrast, auf den sie bei der SINGA Factory stossen, willkommen zu heissen. Laut deren Feedback schätzen sie vor allem den Austausch auf Augenhöhe mit den Teilnehmenden, welche wirklich motiviert seien. Ein wichtiger Faktor sei aber auch der Raum für Diversität, Kreativität wie auch Trial and Error, den die SINGA Factory bietet. Sie erhält entsprechend laufend Anfragen von MentorInnen und Coaches, die sich einbringen möchten. Was der Factory aber fehlt, sind zusätzliche Personen, die auch für einen längeren Zeitraum verfügbar sind, also auch über die sechsmonatige Dauer des Intensivprogramms hinaus. In dieser Zeit befinden sich die Start-ups in einer kritischen Phase, die oftmals noch eine Startunterstützung verlangt.

Was sind die Auswirkungen (Impact)?

SINGA gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, England und Kanada. In Deutschland und Frankreich bietet SINGA seit zwei bzw. vier Jahren Entrepreneurship-Programme an. Diese zeigen, dass das Modell gut funktionieren kann: 55 Teilnehmende und ihre Teams haben in Frankreich und Deutschland bereits Unternehmungen gegründet, die bis heute bestehen. In der SINGA Factory in Zürich haben bis anhin fünf SINGApreneurs zusammen mit ihren Teams Unternehmungen ins Leben gerufen.

Startkapital oder Investoren zu finden, stellt für viele Teilnehmenden jedoch oft eine grosse Hürde dar. So arbeiten die meisten parallel zu ihrem eigenen Unternehmen, um zusätzliches Einkommen zu generieren oder finden Unterstützung über Verwandte und Freunde. Durch das verstärkte Selbstvertrauen und Netzwerk sind viele Teilnehmenden jedoch trotz dieser Schwierigkeiten hoch motiviert, um ihre Unternehmungen weiter aufzubauen. Sollte dies dennoch scheitern, befähigt das gewonnene Selbstvertrauen und Netzwerk viele dazu, eine Ausbildungsstelle oder einen Job auf dem Arbeitsmarkt zu finden, was vor dem Programm nicht als möglich erschien.

Welche Vision strebt SINGA an?

Die Vision von SINGA ist es, dass jeder in unserer Gesellschaft – ungeachtet dessen Herkunft oder rechtlichen Status – aktiv an der Gesellschaft teilhaben und diese mitformen kann. Dazu vernetzt SINGA Leute mit Flucht- oder Migrationshintergrund mit Menschen, die schon länger hier leben und unterstützt sie dabei, in einem innovativen Umfeld Start-ups zu gründen. Ziel ist es, dass sie somit ihre eigenen Einnahmen erarbeiten und ihr berufliches und soziales Potenzial entfalten können.

Wie kann der Lösungsansatz multipliziert werden?

Laut Seraina Soldner sind die Erfolgsfaktoren von SINGA – Menschen zusammenzubringen um auf Augenhöhe miteinander zu lernen, sowie die Förderung von Innovation durch Diversität – als solche nichts Neues. Diese können auch andernorts, also nicht nur in Start-up-Programmen wie der SINGA Factory, eingesetzt werden. Gut geeignet sind die Konzepte beispielsweise auch für bestehende Firmen, die neue Lösungen für die heutigen Herausforderungen identifizieren möchten.

Wie kann der Lösungsansatz weiter skaliert werden?

Die SINGA Factory von Engagement Migros, dem Förderfonds der Migros Gruppe unterstützt. Ziel ist es zukünftig, auch eigenständige Einnahmen generieren zu können. Denkbar sind beispielsweise Beratungstätigkeiten der SINGA Factory auch für den Privatsektor.

Weitere SINGA Start-up-Programme existieren auch in Frankreich und Deutschland und bald in Italien. Momentan wird zusätzlich eine SINGA Factory in Genf aufgebaut.

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