Nachhaltig und innovativ: Die Evolution des ökologischen Bauens und Wohnens in der Schweiz

Wohnen Bauen nachhaltige Materialien
Nachhaltiges Bauen transformiert die Schweizer Wohnkultur | © Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Das Wohnen und Bauen in der Schweiz steht vor bedeutenden Herausforderungen, insbesondere angesichts der Wohnungsknappheit und der wachsenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Baustoffen. Die zunehmende Urbanisierung und die hohen Anforderungen an den Wohnkomfort setzen innovative Lösungen voraus, damit ökologische wie auch ökonomische Aspekte berücksichtigt und nachhaltiges Wohnen und ökologisches Bauen in der Schweiz möglich sind.

Erkenntnisse des NFP 73-Forschungsprogramms und Co-Creation Labs (CCL) „Wohnen und Bauen“ zeigen eine Zukunftsvision für ein. Zu dieser Vision gehören hauptsächlich Wohnsiedlungen, die ohne fossile Brennstoffe auskommen, sekundäre Ressourcen verwenden und in denen Wohnraum bezahlbar ist. Das CCL stellt Erkenntnisse und Orientierungshilfen für Schweizer Geschäftsführende und Organisationen bereit, die aufzeigen, wie solch ökologische Wohnsiedlungen Realität werden können.

Herausforderungen und Klimaziele

Strategien zur Steuerung der Wohnungsraum-Nachfrage sind entscheidend, da bis zum Jahr 2050 ein Bevölkerungswachstum von etwa 20 Prozent in der Schweiz prognostiziert wird und ein zunehmender Anteil der Bevölkerung das Alter von 65 Jahren überschreiten wird. Um 23 Prozent ist die Bevölkerung seit 1990 gewachsen, während die Wohnfläche um 35 Prozent zugenommen hat. Die Grösse der Wohnungen beeinflusst massgeblich den Ressourcen- und Energieverbrauch. Ausserdem ist Wohnen, gleich nach dem Verkehr, der zweitgrösste Energieverbraucher in der Schweiz.

Trotzdem ist es möglich, die Klimaziele bis 2050 zu erfüllen, indem fossile Brennstoffe konsequent vermieden werden. Um die Ziele zu erreichen und gleichzeitig die wachsende Nachfrage nach Wohnraum zu bewältigen, ist eine effiziente Nutzung und Weiterentwicklung von Baumaterialien dringend notwendig.

Nachhaltige Materialkreisläufe im Bauwesen

Es ist eine Herausforderung, Materialkreisläufe im Bauwesen vollständig zu schliessen, da fortlaufend neue Infrastrukturen errichtet werden müssen, um den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden. Der Sektor nimmt knapp über 70 Prozent des Materialverbrauchs in der Schweiz ein und rund 28 Prozent unseres Co2-Fussabdrucks.

Es wird insgesamt empfohlen, verstärkt Holz und andere umweltschonende Baustoffe zu verwenden, Sekundärmaterialien in den Bauprozess zu integrieren, erneuerbare Energien einzusetzen, die Anpassungsfähigkeit von Gebäuden zu erhöhen und ein Moratorium für den Abriss von Gebäuden zu erwägen, um Ressourcen effizienter zu nutzen und die Umweltbelastung zu verringern.

Aufgrund des hohen Materialverbrauchs sind zukünftig politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger gefordert, angemessene regulatorische Rahmenbedingungen für nachhaltige Materialiennutzung und nachhaltiges Wohnen zu entwickeln.

Jetzt entdecken | NFP 73

Das NFP 73 entwickelt Wissen für eine nachhaltige, ressourcenschonende Wirtschaft in der Schweiz, das Wohlstand fördert und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Hilfestellung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bietet in diesem Kontext das NFP 73-Forschungsprojekt Ressourcenpolitik und Geschäftsstrategien im Bausektor mit verlinkten Veröffentlichungen und Best Practices zu folgenden Themen (in englischer Sprache):

  • Regional circular economy of building materials
  • Closing the mineral construction material cycle
  • Uncertainty, variability, price changes and their implications on a regional building materials industry

Nachhaltig Wohnen: Aufklärung, Sensibilisierung & Transparenz

Von den Grundrissen bis zur Materialwahl lässt sich Nachhaltigkeit in allen Aspekten des Wohnens berücksichtigen. Besonders im Fokus stehen dabei Sanierungsmassnahmen zur effizienten Gebäudebestandsverwaltung, die Sensibilisierung von Bewohner:innen zum Thema Nachhaltigkeit, eine Förderung der Umzugsbereitschaft und auch eine besondere Berücksichtigung der Situation von älteren Menschen. Die Transparenz der Umweltbelastung von Gebäuden ist dem Ganzen sein Kern, da nur mit ihr auch zukünftig akkurate Entscheidungen gefällt werden können.

Im Media Center des NFP 73 finden Entscheiderinnen und Entscheider einen Policy Brief mit Fokus auf einer schnellen Sanierung, wie sich der Wohnungsbestand besser nutzen lässt und damit zur Verringerung der Umweltauswirkungen des Wohnens beitragen kann.

Ökologische Architektur und Lebensqualität

Die Architektur in Zürich und anderen Schweizer Städten zeigt beispielhaft, wie nachhaltiges Bauen praktisch umgesetzt werden kann, sei es durch die Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder durch andere natürliche und recycelte Materialien. Solche Baustoffe sind nicht nur umweltfreundlich, sondern können auch zur Senkung der Betriebskosten beitragen und verbessern die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner.

Ein zentraler Aspekt des nachhaltigen Bauens ist die Minimierung der ökologischen Fussabdrücke durch den Einsatz von Baumaterialien, die sowohl die Umwelt schonen als auch langfristig wirtschaftlich sind. Die Baubranche in der Schweiz steht daher vor der Aufgabe, nachhaltige Materialien nicht nur als Alternative, sondern als Standard in allen neuen Bauprojekten zu integrieren.

Hörenswert zur Zukunft des nachhaltigen Bauens

Die Entwicklung in der Baubranche zeigt, dass nachhaltiges Bauen keine Frage des Ob, sondern des Wie ist. Bereits heute nutzen vorausdenkende Bauträger innovative Techniken und Materialien, um energieeffiziente und kosteneffektive Wohnlösungen zu schaffen. Sie nutzen fortschrittliche Gebäudemanagement-Systeme und folgen Lebenszyklusanalysen, um die Umweltauswirkungen auf die gesamte Lebensdauer der Gebäude zu minimieren. Solche Ansätze beinhalten eine Kombination aus traditionellen Methoden und moderner Technologie, wobei der Schwerpunkt auf der Wiederverwendung und dem Recycling von Materialien liegt.

Im Podcast „Investitionen in die Aufbereitung von Bauabfällen zu Sekundärrohstoffen müssen für Unternehmen lohnen“ spricht Frau Prof. Dr. Susanne Kytzia, Professorin und Institutsleiterin vom Schweizer Institut für Bau und Umwelt (IBU) darüber, wie die Materialkreisläufe im Bausektor geschlossen werden können und über das Wechselspiel zwischen Unternehmen und Politik.

Die Umsetzung nachhaltiger Bauprinzipien trägt wesentlich dazu bei, ökologische und soziale Herausforderungen in der Zukunft zu bewältigen. Sie fördert nicht nur eine nachhaltige Entwicklung in der Architektur und nachhaltiges Wohnen, sondern verbessert auch die Lebensqualität der Menschen durch gesündere Wohnbedingungen und eine stärkere Gemeinschaftsbildung.

Dieser Text entstand in Kooperation mit dem Nationalen Forschungsprogramm (NFP 73). Die redaktionelle Verantwortung für sämtliche Textinhalte obliegt den Autorinnen.