Kreislaufwirtschaft bietet Milliardengeschäft

Zürich – Schweizer Unternehmen können sich mit kreislauffähigen Produkten und Lösungen neue Märkte erschliessen. Ein gemeinsamer Bericht von PwC und WWF Schweiz zeigt die Chancen in Branchen wie der Lebensmittel-, der Textil- und der Pharmaindustrie auf.

Die Schweiz gehört in Europa zu den Ländern mit einem sehr hohen Verbrauch an Ressourcen. Pro Kopf wurden in der Schweiz 2018 knapp 17 Tonnen Ressourcen verbraucht, im EU-Durchschnitt waren es 14 Tonnen, zeigt ein gemeinsamer Bericht von PwC und  WWF Schweiz

Bauabfälle machen mit 80 Prozent den grössten Anteil aus, obwohl bereits 75 Prozent des Aushubs und 70 Prozent des Abbruchmaterials wiederverwendet werden. Haushaltsabfälle bilden den zweitgrössten Abfallposten. Zwar wurde der Anteil des wiederverwerteten Materials an den Haushaltsabfällen von 45 Prozent im Jahr 2000 auf 53 Prozent 2016 erhöht. Noch immer aber werden nur rund 10 Prozent aller Kunststoffabfälle wiederverwertet, die nicht aus PET bestehen. Auch der Bioabfall wird noch immer grösstenteils verbrannt.

Aus der Sicht der Autoren des Berichts bietet die Kreislaufwirtschaft daher für Schweizer Unternehmen ein Milliardengeschäft. So stellt die Coop-Tochter Chocolats Halba / Sunray schon heute Tee aus den Schalen von Kakaobohnen her. Das Jungunternehmen Kitro hilft Grossunternehmen, Lebensmittelverschwendung zu verringern. Die Zürcher Freitag lab.ag stellt nicht nur Taschen aus alten Lastwagenplanen her, sondern hat mit F-ABRIC auch kompostierbare Textilien entwickelt. Auch die Pharmaindustrie setzt zunehmend auf Rohmaterialien, die sich wiederverwerten lassen.

Der Bericht schlägt vier Strategien für den Wechsel auf die Kreislaufwirtschaft vor. So soll der Verbrauch von Material und Energie pro Produkt gesenkt werden. Der Kreis zwischen der Produktion und dem Verbrauch soll so geschlossen werden, dass das Endprodukt wiederverwertet werden kann. Zudem sollen auch der Verbrauch selber verlangsamt und die Produkte länger nutzbar gemacht werden. Natürliche Material- und Energiekreisläufe sollen wieder hergestellt werden – die Kreislaufwirtschaft hilft auch, die Welt wieder sauberer zu machen.

Kreislaufwirtschaft ist auch ein Geschäft. „Schweizer Unternehmen würden entscheidend von einer Kreislaufwirtschaft profitieren, da sie den Verbrauch von Ressourcen reduziert und eine widerstandsfähigere Wirtschaft und Gesellschaft formt“, wird Mitautor Günther Dobrauz von PwC Schweiz in einer Mitteilung des WWF zur Studie zitiert. „Gleichzeitig reduziert sie systemische Risiken für Unternehmen wie beispielsweise die Abhängigkeit von Ressourcen.“ 

Vor allem aber sichert die Kreislaufwirtschaft die Lebengrundlagen der Gesellschaft, so Thomas Vellacott, CEO von WWF Schweiz. „Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht uns, ökonomischer mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zu wirtschaften.“ stk